Es war einmal… 1. Februar 2007
Veröffentlicht von TAuSb in : InPuT, MIXMAX , trackbackGefunden beim WILDSTYLE MAGAZIN und hier ausgestellt:

Stelle man sich unser Leben als ein graues Gemälde vor, so wäre das Einschalten des Bewusstseins wohl ein Tropfen Farbe, welcher im Zeitraffer auf das Bild fällt und es innerhalb kürzester Zeit prägt. Nun ist die Frage…
… welche Folgen das mit sich führen würde, wenn man plötzlich das Zentrum eines farbenfrohen Cosmo-Novas wäre in einer grauen Einöde. Natürlich hätte man die Möglichkeit sein Umfeld ins Positive zu prägen, aber wie stark wäre dann die Partei, welche die graue Welt erschaffen hat? Wahrscheinlich zu stark für eine einzige Person etwas zu verändern, da man vorher mit viel Terpentin von der Bildfläche verschwinden würde. Natürlich wäre der Aufprall von einem Tropfen Farbe etwas sehr besonderes für all diejenigen, die bei diesem Ereignis dabei sind. So könnte man sich denken, dass so ein Geschehen viele zur Nachahmung verleiten könnte. Das wird aber leider nie der Fall sein, solange man als Mensch Angst vor Veränderung hat …
Es heißt, dass die Wege des Graffitis, so wie man es in der heutigen Zeit kennt, in Philadelphia entstanden. In den späten 60ern soll ein sogenannter CORNBREAD seinen Namen überall in Form von „Tags“ in seiner ganzen Stadt verbreitet haben. Daraufhin wäre sein Cousin nach New York gezogen und hätte das fortgeführt. Ein griechischer Dienstbote aus New York wäre daraufhin so begeistert von dieser Art Namensverbreitung in der Öffentlichkeit gewesen, dass er bei seinen täglichen Rundzügen den Pseudonym „Taki 183“ getaggt hätte. Dadurch, dass ein Artikel über dieses Phänomen in der New York Times erschien, entstand eine Welle, welche die ganze Jugend packte und dazu animierte, die Straßen mit ihren Kürzeln und Pseudonymen zu markieren. Ob wirklich genau die Verbindungen diese Welle ausgelöst haben und wer nun wirklich der erste war, der das „Taggen“ in die Jugendszene eingeführt hat, weiß man natürlich nicht. Es ist aber auf jeden Fall bewiesen, dass seit Anbeginn der Menschheit Wände bemalt wurden, um Spuren zu hinterlassen.


Featured Pioneering Graffiti-Artists: Cornbread, Taki 183 (subwayoutlaws.com)
Früher konnte man dadurch den anderen oder den Nachfahren zeigen, dass man den größten Mammut bei der Jagd erlegt hat. Da es aber Anfang der 80er leider keine Mammuts mehr gab und es auch sonst eine langweilige Tatsache war, dass man um an Nahrung und Fell zu kommen einfach in den Supermarkt gehen musste, wurde es immer schwieriger in einem Haufen von Schriftzügen mitten in einer Weltmetropole wie New York aufzufallen. Aus diesem Grund wurden aus einfachen Schriftzügen die wohl innovativsten und kreativsten Kunstwerke, die jemals eine Jugendkultur in der Geschichte unserer Menschheit erschaffen hat. Wenn du auffallen wolltest, musstest du einen Stil abliefern, der die anderen eher trist und langweilig aussehen lässt. Der Drang nach neuen Inspirationen wurde immer größer und die Gier nach Aufmerksamkeit bringt heute noch tausende von Sprühern dazu, waghalsige Aktionen durchzuführen, um ihr Bild an eine Stelle zu malen, die im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht. Doch was gibt es schöneres als ein Kunstwerk auf Rädern? Ich kann mir vorstellen, dass jede Firma auf der Welt sich ein Werbeplakat auf Rädern wünscht, welches von Punkt A nach B fährt. Aus diesem Grund fing auch in New York das Bemalen von Bahnen an, welches heutzutage Weltweit durchgeführt wird. Doch hinter diesen Kunstwerken stecken keine Firmen oder Konzerne, die gierig nach Kunden sind. Man muss sogar Geld reininvestieren und seine Freiheit wie auch das eigene Leben aufs Spiel setzen, um seine Gemälde vor der ganzen Gesellschaft zu präsentieren.
Woher kommt also dieser Drang rauszugehen und in dieser Form ein Bild zu malen? Ist es vielleicht ein Urinstinkt der Menschen, der noch tief in uns schlummert und nach Freiheit ruft?
Sucht man nach Antworten in den Medien, findet man sofort eine ganz simple. Wie immer Mundgerecht und ohne Inhalt, aber es macht uns trotzdem satt. Graffiti-Sprüher sind Vandalisten, die auf den Kosten von anderen den Drang zu zerstören ausleben, ohne Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Sie rennen Nachts maskiert raus, während normale Menschen schlafen um Energie für den nächsten Tag zu tanken und zerstören unsere schönen Hauswände, Bahnen und Schallschutzmauern an Autobahnen. Getrieben durch die Gier immer mehr zu verunreinigen und das Leben für die hart arbeitenden Menschen zu belasten.
Von welcher Belastung ich spreche, fragt ihr euch? Wer morgens früh aufsteht um vor der Arbeit nach der Tageszeitung zu schauen, beim Bäcker Brötchen zu holen, dann mit der Bahn auf die Arbeit zu fahren und abends erschöpft wieder zurück fährt, die Treppen hoch läuft und sich dann in sein Bett fallen lässt um sich dann vor dem Fernseher auszuruhen, weiß verdammt noch mal zu gut von was ich spreche! Überall diese Schmiererein in bunten Farben! Herrgott noch mal, ich will meine grauen Wände wieder haben! Das macht doch einen verrückt, jeden Tag, Jahr für Jahr geht man auf die Arbeit, bewegt sich Tag ein Tag aus durch ein und die selbe Gegend und plötzlich fällt eine Veränderung auf, die einen daran erinnert, auch mal zu lachen und die Flügel zu benutzen, anstatt blutend in einem goldenen Käfig mit Rädern alt zu werden.
Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor, die nachts raus gehen und so etwas machen? Sind es etwa diese ganzen Jugenddrogen, die sie so verrückt machen? Vielleicht ist sogar die Musik schuld? Natürlich ist sie es, die Musik war schon immer schuld daran, dass die Jugend schlecht geprägt wurde. Man redet zwar von mangelnder Bildung und Erziehung, aber Eltern so wie auch Lehrer haben überhaupt keine Chance mehr, sich gegen diese satanischen Werte zu stellen.
Als würde das nicht reichen, setzt diese unmenschliche Graffiti-Bewegung sogar Flusssäure und Flammenwerfer ein, um ihre ketzerischen Taten in unsere Gesellschaft zu brandmarken. Besser gesagt, ätzen sie sich durch unsere Schädeldecke, um uns endgültig verrückt zu machen.
Ihr denkt jetzt bestimmt, dass ich mir das alles ausgedacht habe, oder? Nein habe ich nicht, mehrere Sendungen im Fernsehen und Artikel in Zeitschriften und Zeitungen haben mir diese Bilder gezeigt. Es hieß sogar, dass man sich vor Schriftzügen fernhalten soll, da sie durch hochgiftigen Chemikalien die für uns alle lebensgefährlich sind entstehen.


Featured Pioneering Graffiti-Artists: StayHigh 149, Super Kool 223 (subwayoutlaws.com)
Da stellt sich mir grad die Frage, wie es die Graffiti- Sprüher eigentlich überleben, wenn sie jeden Tag mit diesen Substanzen zu tun haben. Sind sie vielleicht besser ausgerüstet als wir normalen Sterblichen und wissen sie sogar, wie man sich vor solchen Gefahren schützen kann? Sind sie vielleicht sogar immun gegen die Vogelgrippe? Ist die Vogelgrippe durch den Weltweiten Graffiti-Wahn entstanden? Wollen sie etwa, dass wir alle sterben, damit sie in Ruhe unsere Häuser beschmieren können? Gehen die Städte, welche unsere Großeltern nach dem 2. Weltkrieg mit Schweiß und Blut aufgebaut haben durch jugendlichen Leichtsinn unter?
… Es scheint so einfach, etwas Farbe auf ein graues Gemälde zu tropfen, wenn man den Pinsel im Herzen trägt. Doch die Niederlage ist zu groß, wenn man sieht, dass die Farbe sich nicht auf der Fläche verbreitet, sondern zu einem klumpen Eis wird und zerbricht. Welche Lösung bleibt einem, wenn man nicht mal die Chance hat sein Umfeld ins positive zu verändern, weil das Konzept in dem man lebt es einem nicht erlaubt anders zu sein. Vielleicht sollten wir alle zur selben Zeit den Pinsel tief in den Farbeimer tunken, mit der Hoffnung, ein komplett neues und besseres Bild zu erschaffen …
Autor: H.P. Lovecraft V23
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